Novembertage – ein paar Gedanken

Da mir das Schreiben meiner Herbstgeschichte große Freude bereitet hat, hab ich mir auch ein paar Gedanken für den November überlegt. Ich freue mich wieder über euer Feedback. Und vielleicht gibt es dann ja sogar eine Weihnachtsgeschichte.

Novemberregen

Weißt du noch? Früher? Als wir klein waren? Kannst du dich noch an den Geruch erinnern? Wie es gerochen hat, als die Wiese frostig war und es früh morgens noch viel zu dunkel für den Schulweg war. Kannst du dich noch erinnern, an die stechende Wärme, wenn wir nach einem Tag draußen ins Haus zurück kamen? Und Omas Früchtetee? Mit Zitronenkonzentrat und Himbeersirup.

All diese Erinnerungen nehme ich für immer mit. Hab sie in ein Kuvert gepackt, ganz klein zusammengefaltet und in mein Herz gesteckt. Wenn die Tage dann viel zu kurz sind und die Nächte zu dunkel, öffne ich das Kuvert und denke an die Lebkuchenherzen auf dem Couchtisch. Denke an die Nässe, diese Tage vor dem Advent. Alles wird schon langsam magisch. Die Vorfreude ist schon groß. An Weihnachten, Schnee, ja damals hat es noch geschneit.

Wie sich der Nebel über das Dorf gelegt hat, fast so als hätte es etwas zu verschleiern. Die Dunkelheit konnte ganz schön beängstigend sein. Vor allem wenn man klein ist, sieht man in jedem Schatten eine unheimliche Gestalt. Ich hatte immer Angst, vor dem tiefen, düsteren Wald. Ein Schatten darin erinnerte mich an den Erlkönig. Und das schützende Heim so wohlig warm. Meine Brille – immer angelaufen und ich konnte für einen kurzen Moment nichts sehen.

Weißt du noch? Damals? Dick eingepackt sind wir den Weg zum Bus gegangen. Viel zu müde, viel zu früh, viel zu kalt. Der Sommer ist schon längst vorbei, die warmen Herbsttage auch. Rilke sagt, wer jetzt allein ist, wird es immer bleiben. Allein, in der Kälte des Novemberregens.

Und deshalb mach ich es mir im Wohnzimmer gemütlich, mit einer kuscheligen Decke, der Spekulatius auf dem Schoß, der Tee kocht. Sogar den Katzen ist es draußen zu kalt. Wir nisten uns also ein, und freuen uns auf den Dezember. Auf Weihnachten. Ein neues Jahr. Schmieden Pläne und verwerfen sie. Denken an den Sommer, und wie warm es war.

Bild von Pixabay: https://pixabay.com/de/backlit-zweig-nadelbaum-2179318/

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Lisa Höllebauer

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