Tobias Milse: Aus dem Nähkästchen geplaudert

Die zweite Staffel der Nähsendung „Geschickt eingefädelt“ mit Guido Maria Kretschmer ist am Dienstag zu Ende gegangen und ich habe sie natürlich auch heuer verfolgt und freue mich sehr, dass meine Favoritin sogar gewonnen hat. Doch wie läuft die Zeit nach der Sendung ab und öffnet der Gewinn vielleicht sogar „Tore“ in die Welt der Designer und Modemacher – ich durfte den Gewinner der ersten Staffel, Tobias Milse, dazu befragen.

Geschickt eingefädelt suchte nun bereits zum zweiten Mal „die besten Hobbyschneider des Landes“. Wöchentlich mussten die Kandidaten je eine Upcycling (Aus „Alt“ mach „Neu“) und eine Technik Aufgabe bestreiten und die Arbeiten von Designer Guido Maria Kretschmer sowie Inge Szoltysik-Sparrer besser bekannt als „Pingel Inge“ bewerten lassen. In der ersten Staffel konnte sich dabei Tobias Milse durchsetzen (ein klarer Favorit, der vor allem mit guter Arbeit überzeugen konnte).  Umso mehr freut es mich, dass der sympathische Schneider uns einen Einblick in seine Welt rund um die Nähmaschine gibt.

Hier seht ihr die selbst entworfene College Jacke von Tobias Milse, die auf dem aktuellen Cover des PFAFF YourStyle Magazins zu sehen ist. Foto: PFAFF / Max Fortmüller

Hier seht ihr die selbst entworfene College Jacke von Tobias Milse, die auf dem aktuellen Cover des PFAFF YourStyle Magazins zu sehen ist. Foto: PFAFF / Max Fortmüller

Tobias Milse und die Zeit bei Geschickt eingefädelt

Du hast ja „Geschickt eingefädelt“ im letzen Jahr gewonnen, wenn du an die Zeit zurück denkst: Wie hast du die Zeit dort erlebt?

Es war eine unvergessliche Zeit. Das Atelier, die Menschen – es ist alles fast wie in einem Traum und in den letzten Tagen kamen die Emotionen wieder hoch, was für ein einmaliges Erlebnis es gewesen ist all diese tollen Persönlichkeiten zu treffen und in einer schönen Umgebung miteinander nähen zu können. Es war eigentlich noch viel besser, als es im TV rüberkam (lacht).

Welches Jury-Mitglied war dir das Liebste? Wie war dein Verhältnis zur Jury? Ist Guido wirklich so nett?

Ich war von allen Jurymitgliedern begeistert: Anke (ihre 11 Fragen über Mode findet ihr hier) ist einfach Zucker – wie aus einem Märchen, von Inge kann man eine Menge lernen – und sie ist nicht so streng, wie sie im TV rüberkommt.
Mein Liebling war ein bisschen Guido Maria, da sich unser Geschmack und das Verständnis für Mode am ähnlichsten sind. Zudem – warum kann ich gar nicht in Worte fassen – hat er eine ganz besondere Aura. Es ist angenehm, wenn er bei einem ist. Wobei ich das gleiche genauso für Inge und Anke empfinde. Also alle drei sind einfach außergewöhnliche tolle Menschen.

Geschickt eingefädelt Tobias Milse

V.l.: Jurorin Anke Müller, Gastgeber Guido Maria Kretschmer, Kandidat Tobias Milse und Jurorin Inge Szoltysik-Sparrer. Foto: VOX / Andreas Friese

 

Hast du auch noch Kontakt zu den anderen Kandidaten/zur Jury?

Ja sicher. Ich habe noch zu jedem einen guten Kontakt. Wir haben auch eine What’s app Gruppe, in der wir uns hin und wieder austauschen. Das ist schon klasse. Zur Jury habe ich auch noch Kontakt. Mit jedem zu unterschiedlichen Zeiten oder Projekten, da wir alle seit der Sendung sehr eingespannt sind und da ich mir auch viel Zeit für Fragen und Kommentare auf meinen Seiten  nehme, komme ich manchmal fast gar nicht mehr zum Nähen 🙂

Welche Tipps würdest du jemanden geben, der sich für die nächste Staffel bewerben möchte – was muss man unbedingt können, um bei „Geschickt eingefädelt“ in die enge Auswahl zu kommen?

Man sollte einfach man selbst sein. Und Nähen können (lacht). (Meine Anfängertipps findet ihr hier). Natürlich ist es wichtig eine gute Basis an Nähwissen zu haben. Am weitesten kommt man, wenn man seinen eigenen Stil, Offenheit und ein Ideal hat. Eine Art Vision von dem, was man gerne näht und dass das Nähen wirklich Teil des eigenen Lebens ist. Dies kommt oft 1:1 auch im TV rüber. Bei mir habe ich mich auf den Bildschirm genauso empfunden, wie ich auch bin und meine Leidenschaft fürs Nähen wurde transportiert.

Wie lief die Vorauswahl ab?

Ich habe kein klassisches Casting gemacht. Ein Freund von mir hatte mich „auf die letzte Minute“ angemeldet und mir im gleichen Augenblick Bescheid gegeben. Dann wurde ich mit zwei anderen Personen gecastet und drei Wochen später – kurz vor Drehbeginn – stand erst fest, dass ich dabei bin.

Tobias Milse und die Zeit nach „Geschickt eingefädelt“

Du durftest ja nach der Show ein Praktikum bei Co-Jurorin Inge Szoltysik-Sparrer – besser bekannt als Pingel Inge – absolvieren, was durftest du dort machen, was hast du dort noch gelernt?

Das Wichtigste, was ich bei meiner „Woche bei Inge“ vermittelt bekommen habe, war die Liebe zu Handnähtechniken. Inge hat in mir das Bewusstsein geweckt für Verarbeitungen, die mich das Nähen noch mehr lieben und schätzen lassen. Das liegt auch daran, dass sie mir nur die kostbarsten Materialien gegeben hat und damit kann man mich verführen. Mein Lieblingsplatz bleibt jedoch nach wie vor die Nähmaschine. Das Rattern, die Technik, Mechanik und Elektronik: das ist eine ungebrochene Faszination und Liebe.

Anschließend ging es nach Paris – an die Ecole de la chambre syndicale de la couture parisienne (kurz Ecole de la chambre syndicale). Modegrößen wie Yves Sant Laurent oder Karl Lagerfeld besuchten die Schule ebenfalls. Gibt es etwas, was du ganz speziell von dort mitnehmen konntest?

An der ECOLE DE LA CHAMBRE SYNDICALE werden schon einzigartige Techniken gelernt, die ich natürlich bis aufs Maximum aufgesogen habe. Aber das wichtigste, das ich mitnehme ist: Die Herangehensweise und Philosophie für Mode hat dort einen besonders hohen Stellenwert. Kreativ – offen – französisch – frei – international – elegant – durchdacht – verspielt und doch ernst. Jede Erklärung unseres Professsors beinhaltete immer etwas weitergehendes als „nur“ die Technik. Und so etwas kann man nur in Paris lernen. Das ist das Geheimnis der französischen Couture.

Tobias Milse

Sein neu gewonnenes Wissen konnte Tobias Milse natürlich auch gut bei seinen Taschen Kollektionen umsetzen.  Foto: TM PARIS Tobias Milse

Wie verlief die Zeit nach „Geschickt eingefädelt“ hat es dir und TM Paris viel gebracht? Was sind deine Zeile für die Zukunft, wie geht es nun weiter, worauf darf man sich freuen?

Seit Geschickt eingefädelt ist alles einfach fantastisch. Ich bin mit so vielen tollen Menschen in Kontakt gekommen und habe eine ganz neue Welt und Familie kennen gelernt. Das verbindet sehr. Meine Handtaschen haben natürlich sehr viel Aufmerksamkeit bekommen und die Zuschauer haben gesehen, dass es doch einen Unterschied zwischen einem Schneider und einem Täschner gibt.

Für das nächste Jahr plane ich schon seit einiger Zeit und es wird tolle Dinge geben, an der viele Näher teilhaben können.

Tobias Milse und das Modedesign

Wie erlebst du den Job des Modedesigners, was sind die Vor- und Nachteile?

Ich selbst bin ja kein Modedesigner, sondern habe Fashion-Management und BWL studiert. Danach habe ich autodidaktisch angefangen mir das Täschnern beizubringen und fertige seitdem Accessoires und Handtaschen.

Wenn man sich im Designsegment selbstständig machen möchte, ist es sehr wichtig vorher in mittelständischen Betrieben Erfahrungen und Kontakte zu sammeln. Dann braucht man ein Produkt, das auch gekauft wird. Der nächste Schritt ist sich dann langsam etwas aufzubauen: Kleine Privatverkäufe, Ausstellungen, Weihnachtsverkäufe, Online Shop etc. Wovon ich abraten würde, ist sich einfach ein tolles Konzept auszudenken, alles zu organisieren und dann von Null auf 100 zu starten ohne vorher je etwas „an den Kunden“ (das können auch Freunde und Bekannte sein) zu verkaufen. Sonst geht der Schuss gerne mal nach hinten los und man steht mit einer kompletten Kollektion dar, die zwar schön ist, aber keiner kaufen will, weil der Bedarf oder das Verlangen bei der Zielgruppe nicht besteht.

Ein kleiner Einblick in das Repertoire von TM Paris.

Ein kleiner Einblick in das Repertoire von TM Paris. Foto: TM Paris Tobias Milse

 

Hast du einen Tipp für all jene, die den Beruf des Modedesigners anstreben bzw. sich für Modedesign interessieren?

Wer sich permanent dabei entdeckt, dass er bei jedem Kiosk direkt zu den großen Modemagazinen tigert und fast ausschließlich an Mode und Design denkt, dem würde ich raten sich einfach mal bei den Universitäten oder Fachhochschulen zu informieren wie so ein Studiengang aussieht! Denn man sollte immer seinem Herzen folgen. Es ist natürlich auch eine Menge Arbeit und nicht der Beruf Nr 1 um das große Geld zu verdienen. Aber die Möglichkeit mit dem eigenen Design andere Menschen glücklich, schick und elegant zu machen, das ist ein unglaublich gutes Gefühl. Mir laufen meine Handtaschen gelegentlich über den Weg und jedes mal wenn ich eine TM Paris an einer Kundin sehe, erfüllt es mich mit großen Stolz und Dankbarkeit, dass ich die Möglichkeit habe mit meiner Passion mein Geld zu verdienen.

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Foto: TM Paris Tobias Milse

Herzlichen Dank noch einmal an Tobias Milse für den tollen Einblick!
Wer noch immer nicht genug von ihm hat besucht am Besten die Homepage TM Paris, den Facebook Account Tobias Milse – Geschickt eingefädelt  oder den Instagram Account von Tobias Milse @tobiasmilse
Wer noch immer nicht genug von Pirates and Mermaids hat, bleibt gerne noch hier und stöbert noch ein bisschen.
Wie wäre es denn mit 11 Fragen über Mode an Enie van de Mejklokjes oder meinen Bericht über Neo Designer Manuel Essl?

 

 

2 Gedanken zu „Tobias Milse: Aus dem Nähkästchen geplaudert

  1. S.Mirli sagt:

    Und wieder bin ich absolut begeistert, von deinen Interviews. Ich habe dir ja schon gestanden, dass ich außer der Vorschau, die Sendung gar nicht kenne. Obwohl ich natürlich auch ein eingefleischter Guido-Fan bin. Aber vielleicht werde ich in der nächsten Staffel dann doch mal reinzappen, du hast mich sowas von neugierig gemacht. Vielen Dank für den tollen Beitrag meine liebe Lisa, gaaaaanz liebe jingle bells Grüße, x S.Mirli (http://www.mirlime.com)

    • Lisa Höllebauer sagt:

      hihi danke für dein liebes Kommentar – das freut mich echt sehr 🙂 du musst die Sendung unbedingt schauen, da gibt es wieder gaaaanz viel von Guido zu sehen und man bekommt total Lust auf nähen 🙂
      Alles Liebe und merry Christmas mein Weihnachtsbuddy
      Lisa

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